Aktivitäten – Brückensicherung: Kooperationsprojekt mit ASFINAG

Brückensicherung: Kooperationsprojekt mit ASFINAG

„Sturz in die Tiefe“ ist in Österreich nicht die am häufigsten angewandte Suizidmethode, rangierte aber 2015 gemeinsam mit Selbstvergiftungen an dritter Stelle nach Erhängen und Erschießen. Mit einem Anteil von 10% entspricht dies auch dem weltweiten Schnitt.

Der Sprung von Brücken hat eine hohe Letalität und die emotionalen Traumata Dritter sind beträchtlich.

Ein klares Problembewusstsein auf Seiten der ASFINAG (österreichische Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-AG) und die langjährige Vorarbeit über engagierte Bürgermeister und Bezirkshauptleute sowie diverse Ebenen der Polizei ermöglichte Ende 2016 eine erste Arbeitsgruppe zum Thema „Suizidprävention an Autobahnen und Schnellstraßen“.

Als erste Ergebnisse wurden Hotspot-Brücken in der Steiermark anhand einer Liste der Polizei identifiziert und konkrete Maßnahmenvorschläge für einzelne Brückenobjekte definiert. 2017 wurde mit der Umsetzung erster baulicher Maßnahmen an steirischen Brücken begonnen. Die Ausweitung auf andere Bundesländer folgt langsam.

Als Sekundärmaßnahme wurde vom Institut für Suizidprävention Graz eine Hinweistafel gestaltet, um Menschen speziell in der Ambivalenzphase einer suizidalen Entwicklung für Hilfsmöglichkeiten zu sensibilisieren. In Kooperation mit der Telefonseelsorge Steiermark wurde deren österreichweit gültige Kurzrufnummer für das Schild verwendet, um das Hilfesuchverhalten zu fördern. Die Werbeagentur adventures sorgte für die sensible grafische Umsetzung. Besonderer Dank für die Unterstützung bei der Entscheidungsfindung zur textlichen Gestaltung der Hinweistafel gebührt jenen sieben Menschen, die bereits den Suizid von Brücken erwogen und letztlich doch die Entscheidung für das Leben vorgezogen hatten.

Der erschwerte Zugang zu Suizidmitteln ist eine wichtige und effektive Maßnahme der Suizidprävention und eine von sechs gleichwertigen Säulen des SUPRA Startpakets Suizidprävention. Erst die Kombination und  Wechselwirkung mit anderen Maßnahmen gewährleistet den Aufbau einer flächendeckenden und qualitativ hochwertigen Suizidprävention für Österreich und ermöglicht deren Nachhaltigkeit.

©DI Michael Pucher